Luzern in Bildern: Der Nölliturm - Joseph Clemens Kaufmann

Dieses Gemälde stammt von Joseph Clemens Kaufmann (1867 - 1926) und ist auf 1901 datiert, (Öl auf Leinwand, 58 × 76 cm).

Der Künstler muss auf der Spreuerbrücke in der Ecke gestanden haben, als er dieses stimmungsvolle Bild malte. Dargestellt ist das rechte Reussufer unterhalb der Spreuerbrücke in der Zeit um 1890

Im Mittelpunkt steht der 1519 fertig gebaute Nölliturm, der den unteren Abschluss der Museggmauer bildet. Wegen seines leuchtend roten Ziegeldaches wurde er bis ins 19. Jahrhundert auch der „Rote Turm“ genannt.

Das Bild zeigt eine Zeit, in der das Reussufer noch idyllisch und unberührt vom modernen Verkehr war – der heutige St. Karli Quai und die Geissmattbrücke existierten noch nicht. Ruhig liegt der Fluss in der warmen Sonne, die Häuser spiegeln sich im klaren Wasser, und über den Hängen erheben sich Gärten und alte Bäume. Die Szene wirkt friedlich und zeitlos, als sei der Alltag für einen Augenblick stillgestanden.

Wunderschön anzusehen ist auch die anmutige Frau im Vordergrund, die kraftvoll und gekonnt mit dem Stachelweidling über die Reuss gleitet. Mit sicherer Haltung steht sie im Boot — fast scheint es, als sei sie ganz in Gedanken versunken. Ob sie wohl zu ihrem Liebsten unterwegs ist? 


Der Nölliturm, Joseph Clemens Kaufmann, 1901
Der Nölliturm, Joseph Clemens Kaufmann, 1901

Diese kleine Andeutung von Romantik gibt dem Bild eine poetische Note und lässt Raum für eigene Vorstellungen und Geschichten.

So verbindet dieses Werk historische Architektur, sanfte Landschaft und menschliche Nähe zu einem harmonischen Gesamtbild – ein liebevoller Blick auf das alte Luzern um 1900.

Erst wenige Jahre nach der Entstehung des Gemäldes sollte sich diese stille Uferlandschaft grundlegend verändern. Die alte Ausfallstrasse führte damals durch die Brüggligasse und das kleine Lindentor beim Nölliturm. Doch mit dem wachsenden Verkehr wurde dieser Weg bald zu eng, und um 1900 entstand der neue St. Karli-Quai. Damit der Nölliturm nicht dem Strassenbau geopfert werden musste, entschied man sich, ihn zu durchbrechen und die Strasse hindurchzuführen – ein ungewöhnlicher, aber rettender Kompromiss.

Aus heutiger Sicht kaum zu glauben: Ohne den Durchbruch wäre der Nölliturm wohl abgerissen worden. Gegen Ende der grossen Entfestigungswelle beurteilte man solche Bauwerke eben noch anders.

Heute dient der Nölliturm als Zunftstube und Archiv der Safranzunft und kann auch für Events gebucht werden.


Quelle: Michael Riedler: Idyllisches Luzern (1987). Herausgegeben von der Korporation Luzern; Bildinhalt gemeinfrei via Wikimedia Commons.

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