Am Pilatus lebten früher kleine Bergmännchen. Sie wohnten im ganzen Berg, von oben bis nach Hergiswil und ins Eigental. Sie konnten plötzlich aus Höhlen herauskommen und genauso schnell wieder verschwinden. Sie waren sehr klein, trugen grüne Kleider und rote Mützen. Sie hatten langes, weißes Haar und Bärte bis zum Boden. Sie hüteten Tiere und Fische und halfen den Sennen. Aber wer sie beschimpfte, bekam schnell ihre Rache zu spüren.
Auf der Kastelenalp lebte einmal ein reicher Bauer namens Klaus. Eines Tages kam Magdalena zu ihm. Ihre Mutter war arm und krank. Magdalena bat Klaus um Hilfe. Aber Klaus lachte sie nur aus. Traurig ging Magdalena den Berg hinunter.
Unterwegs traf sie einen Handbuben von der Bründlenalp. Er sah, wie schlecht es ihr ging. Darum schenkte er ihr seinen einzigen kleinen Käse.
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| Der Handbub schenkt Magdalena seinen einzigen kleinen Käse. |
Plötzlich zog jemand leicht an ihrem Kleid. Sie drehte sich um und sah ein winziges Zwergmännchen mit roter Kappe, grünem Kleid und langem Bart. Auf seinen schmalen Schultern trug es einen Käse und Alpenkräuter.
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| Magdalena bekommt vom Erdmännchen einen Käse und Heilkräuter. |
Es sagte: „Ich weiß, was passiert ist. Hier sind neue Kräuter und Käse. Die Kräuter machen deine Mutter gesund. Vom Käse könnt ihr leben. Dein hartherziger Verwandter hat seine Strafe schon bekommen.“
Magdalena ging zu ihrer Mutter. Sie kochte Tee aus den Kräutern. Ihre Mutter wurde gesund.
Als sie vom Käse ein Stück abschneiden wollten, merkten sie: Der Käse war aus purem Gold.
Zur gleichen Zeit wütete das Gewitter auch auf der Kastelenalp. Felsen lösten sich und zerstörten die Alp. Ein großer Stein traf Klaus und zerschmetterte ihm beide Beine. Von da an musste er auf Krücken gehen und lebte elend.
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| Der hartherzige Klaus |
Magdalena aber heiratete den gutherzigen Handbuben. Zusammen kauften sie die Bründlenalp und lebten glücklich.
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Quelle: Das Erdmännchen und die Witwe aus Luzerner Sagen von Kuno Müller, S. 102 f



