Das Gemälde „Die Tore zur Hofbrücke und zur Schifflände“ von Xaver Schwegler (1832–1902) zeigt die Ansicht vom unteren Kapellplatz Richtung See, so wie dieser Ort um 1834 ausgesehen hat. Xaver Schwegler malte das Bild um 1900 nach einer Vorlage seines Vaters Jakob Schwegler, der die Szenerie aus eigener Anschauung kannte.
Rechts im Bild steht das Zur Gilgen-Haus, daneben verläuft ein Stück der alten Stadtmauer mit zwei Toröffnungen:
- Links, das Tor mit dem Spitzbogen führt auf die Hofbrücke.
- Rechts, das Tor mit dem Rundbogen führt zur Schifflände. Durch den Rundbogen ist im Hintergrund die Rigi zu erkennen.
Direkt an die Stadtmauer angelehnt steht das kleine Brückenwärterhäuschen. Der Brückenwart lehnt aus dem Fenster und spricht mit einem Bauern, der seinen Hund bei sich hat. Der Hund blickt aufmerksam in Richtung Hofbrücke – und lenkt damit den Blick des Betrachters weiter zu einem vornehm gekleideten Herrn und einem Jungen mit Spielreifen, die sich auf der Brücke befinden.
Im Vordergrund flaniert ein elegant gekleidetes Biedermeierpaar stadteinwärts. Ganz links im Bild bietet ein fliegender Händler einer Magd, die in der Haustür steht, seine Waren an. Das Gemälde vermittelt so einen lebendigen Eindruck des damaligen Alltags in Luzern.
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| Die Tore zur Hofbrücke und zur Schifflände, Xaver Schwegler |
Das Werk entstand im Auftrag der Korporationsgemeinde Luzern. Obwohl Xaver Schwegler das Gemälde erst um 1900 schuf, zeigt es die Situation um 1834 – basierend auf einer zeichnerischen Vorlage seines Vaters Jakob Schwegler. Damit verbindet das Bild persönliche Erinnerung mit historischer Dokumentation.
Um diese Zeit befand sich Luzern im Wandel: Die Stadt begann, sich zu einem aufstrebenden Tourismusort zu entwickeln. Die Hofbrücke wurde abgebrochen, und am See eröffnete das „Hotel Schwanen“ – das erste Hotel direkt am See.
So bewahrt Schweglers Gemälde einen Moment zwischen Mittelalter und Moderne: Die alten Mauern und Tore stehen noch, doch der beginnende Aufbruch ist bereits spürbar.
Quelle: Michael Riedler: Idyllisches Luzern (1987). Herausgegeben von der Korporation Luzern; Bildinhalt gemeinfrei.
