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238 bestätigte Hexenmorde im Kanton Luzern

Wie viele Menschen wurden in der alten Herrschaft Luzern – ungefähr auf dem Gebiet des heutigen Kantons Luzern – wegen Hexerei hingerichtet?

Für einzelne Schweizer Kantone liegen heute gut dokumentierte Zahlen vor.
Für Zürich weist der Historiker Otto Sigg in seinem Buch Hexenprozesse mit Todesurteil – Justizmorde der Zunftstadt Zürich (2012) 79 Hinrichtungen nach (Quelle).
Für den Kanton Zug kommt Maria Greco auf 188 Opfer der Hexenverfolgung (Quelle).

Doch wie viele waren es in Luzern?

Hexensabbat aus der Wickiana, ZB Zürich
Hexensabbat aus der Wickiana - Zentralbibliothek Zürich.

Die Forschung nennt unterschiedliche Zahlen

Eine allgemein anerkannte Gesamtzahl gibt es bis heute nicht.

Joseph Schacher sprach bereits 1947 von mindestens 200 Opfern.
Beatrice Schumacher nennt in Kleine Geschichte der Stadt Luzern (2015, S. 97) 288 Opfer.
Der Luzerner Historiker Stefan Jäggi spricht in einem Interview mit SRF von rund 300 hingerichteten Frauen (Quelle).

Die unterschiedlichen Angaben zeigen vor allem eines: Eine vollständige namentliche Gesamtauswertung der Luzerner Hexenprozesse ist bisher nicht veröffentlicht worden.

602 bekannte Verfahren – 238 Hinrichtungen nachgewiesen

Für diese Website wurden die bisher bekannten Luzerner Hexenprozesse in einer Datenbank zusammengetragen und ausgewertet.

Die Datenbank umfasst derzeit 602 bekannte Verfahren. Bei 238 Personen ist eine Hinrichtung eindeutig nachweisbar. Als Hinrichtung gezählt wurden nur Fälle, bei denen das Urteil beziehungsweise dessen Vollstreckung aus den erfassten Quellen hervorgeht.

Die Zahl von 238 Hinrichtungen ist deshalb keine Schätzung, sondern das Ergebnis der systematischen Auswertung der 602 erfassten Verfahren.

Sie ist allerdings mit grösster Wahrscheinlichkeit nicht die tatsächliche Gesamtzahl der Hinrichtungen.

Der entscheidende Grund: Bei 268 der 602 Verfahren – also bei 44,5 Prozent – ist der Ausgang nicht bekannt. Unter diesen Fällen dürften sich weitere Hinrichtungen befinden, die aufgrund der gegenwärtigen Quellenlage nicht zweifelsfrei nachgewiesen werden können.

Die 238 Fälle sind daher als gesicherte Mindestzahl zu verstehen.


Die vollständige Hexenprozesse-Datenbank

In der Hexenprozesse-Datenbank Luzern (1398–1737) können die 602 erfassten Fälle nach Namen, Orten, Jahren, Herkunft und Urteil durchsucht werden.

Zur Hexenprozesse-Datenbank 







Luzern in Bildern: Das Zur Gilgen Haus - Xaver Schwegler

 




Das Gemälde "das Zur Gilgen Haus" wurde von Xaver Schwegler im Auftrag der Korporation der Stadt Luzern gemalt und zeigt die Szenerie um 1835. Die Hofbrücke führte damals durch das Hofbrückentor in die Stadt zum Kapellplatz. Links daneben sieht man das Tor zur Schifflände, den heutigen Schwanenplatz.
Als der Kunstmaler Xaver Schwegler im Jahre 1832 in Luzern zur Welt kam, herrschte gerade eine Entfestigungswelle. Man brauchte Platz, denn die Bevölkerungszahl stieg rapide nach oben. So wurden grosse Teile der Stadtbefestigung und die Hofbrücke abgerissen. An einigen Orten wurde am See oder Fluss aufgeschüttet. So entstand der Schwanenplatz, der Schweizerhofquai, der Rathausquai und der St. Karliquai.

Im Jahre 1897 bestellte die Korporationsgemeinde Luzern bei Xaver Schwegler eine Reihe von Bildern des alten Luzerns. Im Jahre 1899 lieferte Xaver Schwegler die Bilder ab und diese wurden an der Weihnachtsaustellung im gleichen Jahr erstmals ausgestellt. Xaver Schwegler starb 1902 in Luzern im Alter von 70 Jahren.

Luzern in Bildern: Die Tore zur Hofbrücke und zur Schifflände - Xaver Schwegler

Das Gemälde „Die Tore zur Hofbrücke und zur Schifflände“ von Xaver Schwegler (1832–1902) zeigt die Ansicht vom unteren Kapellplatz Richtung See, so wie dieser Ort um 1834 ausgesehen hat. Xaver Schwegler malte das Bild um 1900 nach einer Vorlage seines Vaters Jakob Schwegler, der die Szenerie aus eigener Anschauung kannte.

Rechts im Bild steht das Zur Gilgen-Haus, daneben verläuft ein Stück der alten Stadtmauer mit zwei Toröffnungen:

  • Links, das Tor mit dem Spitzbogen führt auf die Hofbrücke. 
  • Rechts, das Tor mit dem Rundbogen führt zur Schifflände. Durch den Rundbogen ist im Hintergrund die Rigi zu erkennen.

Was tun in Luzern am Abend?

Wer tagsüber durch Luzern schlendert, erlebt eine lebendige, internationale Stadt. Doch wenn die Geschäfte schliessen, die Touristenströme weniger werden und die Dämmerung einsetzt, verändert sich die Atmosphäre.

Die Gassen werden ruhiger, das Licht weicher, die Schatten länger – und die Fassaden erzählen plötzlich andere Geschichten. Gerade am Abend wirkt die Altstadt intensiver, unmittelbarer und persönlicher.

Doch was kann man in Luzern am Abend wirklich unternehmen?

Unter der Egg, © Tanja Müller | Luzern Tourismus AG
Unter der Egg, © Tanja Müller | Luzern Tourismus AG


Eine Nachtwächter-Stadtführung durch die Altstadt

Machen Sie eine Nachtwächtertour und erleben Sie hautnah, wie Nachtwächter einst durch dunkle Strassen zogen, die Stunden ausriefen und vor Feuer warnten. Die Nacht war keine romantische Kulisse – sie war eine Zeit der Gefahr.

Auf einer Nachtwächtertour erleben Sie Luzern so, wie es früher gewesen sein könnte: flackerndes Licht, geheimnisvolle Winkel und Geschichten von Kriegen, Bränden und nächtlichen Begegnungen mit Geistern und dem Totentanz.

Anders als bei klassischen Stadtführungen geht es nicht nur um Fakten, sondern auch um Atmosphäre und Zusammenhänge.

Sie erfahren unter anderem:

  • vom unehrbaren Leben des Nachtwächters und anderer Menschen niederen Standes
  • Geschichten von Geistern, Riesen und Dämonen
  • von Recht und Ordnung im Mittelalter und den grausamen Strafen
  • von der Auseinandersetzung mit dem Tod in Kunst, Poesie und Bild
Totentanz, Jakob von Wyl, Tafel 2
Totentanz, Jakob von Wyl, Tafel 2

Mein Tipp für einen besonderen Abend in Luzern

Wer Geschichte nicht nur lesen, sondern wirklich erleben möchte, sollte Luzern bei Nacht entdecken.

Eine Nachtwächter-Stadtführung verbindet historische Hintergründe mit echten Luzerner Geschichten – erzählt in kleinen Gruppen und in einer Atmosphäre, die man tagsüber so nicht erlebt.

Die öffentlichen Nachtwächter-Touren auf Deutsch und Schweizerdeutsch finden saisonal jeweils am Samstag nach Sonnenuntergang statt.
Private Touren können fast täglich gebucht werden.


    Weitere Ideen für den Abend in Luzern

    Hier sind einige weitere Möglichkeiten, Luzern am Abend zu erleben:

    Auch auf dem Wasser gibt es besondere Erlebnisse:
    Die Schifffahrtsgesellschaft des Vierwaldstättersees bietet beliebte Sonnenuntergangsfahrten an.


    Luzern und die Berge am Abend erleben

    Haben Sie schon einmal daran gedacht, einen Bergausflug am späteren Nachmittag oder Abend zu machen?

    • Das Stanserhorn ist im Hochsommer am Wochenende bis in die Nacht erreichbar
    • Die Rigi bietet Abendfahrten und spezielle Veranstaltungen
    • Der Pilatus eignet sich perfekt für einen Ausflug am späteren Nachmittag, auch mit anschliessender Wanderung: (Fräkmundegg-Kriens 2 Std. oder Krienseregg-Kriens 1 Std.)

    Ein entspannter Abendspaziergang in Luzern

    Auch ein selbstgeführter Abendspaziergang kann ein besonderes Erlebnis sein:

    Zum Beispiel entlang der Reuss, über die beiden Holzbrücken, kombiniert mit einem Besuch in einem Wirtshaus.

    Eine kleine Auswahl:

    • Wein bei La Bonne Cave
    • Bier bei Bierliebe
    • Pub-Atmosphäre im Pickwick
    • Kaffee im Starbucks

    Mein persönlicher Tipp

    Besuchen Sie die Spreuerbrücke bei Nacht – die Totentanzbilder sind dann beleuchtet und deutlich eindrucksvoller als am Tag.

    Und wenn Sie wissen möchten, was aktuell in Luzern läuft, lohnt sich ein Blick auf Eventfrog.



    Das Haus Zur Gilgen und der Baghardsturm

    Wer am Schwanenplatz in Luzern steht, dem fällt sofort ein markantes Gebäudeensemble ins Auge: Das Haus „Zur Gilgen“ mit seinem charakteristischen Rundturm. Mit der Adresse Kapellplatz 1 markiert es historisch wie geografisch einen zentralen Eckpfeiler zwischen der Reuss und dem Schwanenplatz.

    Zur Gilgen Haus und Baghardsturm, Martiniplan 1597
    Zur Gilgen Haus und Baghardsturm, Martiniplan 1597

    Luzern in Bildern: Der Nölliturm - Joseph Clemens Kaufmann

    Dieses Gemälde stammt von Joseph Clemens Kaufmann (1867 - 1926) und ist auf 1901 datiert, (Öl auf Leinwand, 58 × 76 cm).

    Der Künstler muss auf der Spreuerbrücke in der Ecke gestanden haben, als er dieses stimmungsvolle Bild malte. Dargestellt ist das rechte Reussufer unterhalb der Spreuerbrücke in der Zeit um 1890

    Im Mittelpunkt steht der 1519 fertig gebaute Nölliturm, der den unteren Abschluss der Museggmauer bildet. Wegen seines leuchtend roten Ziegeldaches wurde er bis ins 19. Jahrhundert auch der „Rote Turm“ genannt.

    Die Erdmännchen auf der Kastelenalp

    Am Pilatus lebten früher kleine Bergmännchen. Sie wohnten im ganzen Berg, von oben bis nach Hergiswil und ins Eigental. Sie konnten plötzlich aus Höhlen herauskommen und genauso schnell wieder verschwinden. Sie waren sehr klein, trugen grüne Kleider und rote Mützen. Sie hatten langes, weißes Haar und Bärte bis zum Boden. Sie hüteten Tiere und Fische und halfen den Sennen. Aber wer sie beschimpfte, bekam schnell ihre Rache zu spüren.

    Das Erdweibchen und die arme Witwe

    Im Tal der Hilfern, am Westhang des Schratten in der Nähe von Marbach, lebte eine arme Witwe in einem sehr kleinen und schiefen Häuschen. Oft wusste sie nicht, wie sie sich und ihre Kinder satt bekommen sollte. Im Winter stand nur eine einzige Kuh im Stall, und auf dem Dachboden lag nur ein kleiner, magerer Haufen Heu.

    Der Fall Els von Meersburg: Ein Hexenprozess in Luzern um 1450

    Wir blicken zurück in das Jahr 1450. Der Schauplatz ist die Region um Luzern. Auf dem Weg zwischen Malters und der Stadt trifft eine Frau namens Els von Meersburg auf einen Bettler.

    Die Pilatussage – oder wie der Berg zu seinem Namen kam

    Ein Berg der Legenden

    Der Pilatus hat schon früh die Aufmerksamkeit und die Einbildungskraft der Menschen in der Schweiz stark angeregt. Das liegt daran, dass er scheinbar sanft aus dem Flachland aufsteigt, dann aber plötzlich in gewaltigen Felsmassen steil emporragt.

    Der reiche Junker und die arme Zöllnerin – Ein Luzerner Hexenschicksal

    Im Juni 1654 trafen beim Roten Turm zwei Welten aufeinander. Auf der einen Seite die 74-jährige Zöllnerin Brigita Rapp (Rabi), eine einfache Frau, die ihren Lebensunterhalt im Dienst der Stadt bestritt. Auf der anderen Seite Junker Walter Ludwig Cysat.

    Der Raub des Staatsschatzes

    Der sicherste Ort in Luzern

    Luzern, 1758. Die Goldene Zeit der Republik neigte sich ihrem Herbst zu. Kriege und Missernten in Europa hatten dazu geführt, dass die Soldverträge, von denen die Stadt lebte, nur schleppend bezahlt wurden. Umso wichtiger war der Staatsschatz, das Herz der Republik Luzern.

    Die Legende der Luzerner Harsthörner

    Das ursprüngliche Giebelbild Nr. 25 der Kapellbrücke fängt eine detailreiche Szene kaiserlicher Ehre ein: Karl der Grosse – in Rüstung und mit Helmkrone – erhebt sich von seinem Thron, um drei Luzerner Krieger mit Harsthörnern als Dank für ihren heldenhaften Einsatz zu ehren.

    Der Riese von Reiden

    Vom Riesen zum Mammut: Die ganze Geschichte der Knochen von Reiden

    Heute erzähle ich Ihnen eine Geschichte aus dem Luzernerland, die fast unglaublich klingt. Sie beginnt mit einem Baumsturz, führt zu einem Riesen im Rathaus und wird erst viel später von einem Gelehrten und zwei neugierigen Heimatforschern endgültig gelöst.

    Der Nachrichter im alten Luzern

    "Geliehene" Henker: Luzerns Start ohne eigenen Nachrichter

    Ab Mitte des 13. Jahrhunderts durfte Luzern zwar selber richten – eine Erlaubnis, die die Habsburger der aufmüpfigen Stadt zugestanden hatten – doch einen eigenen Nachrichter leistete man sich noch nicht. Für diese "Arbeiten" wurde der Nachrichter von Zürich oder Konstanz herbei bestellt.

    Der Nachrichter in der alten Eidgenossenschaft

    Wer war der "Nachrichter"?

    Der Scharfrichter wurde in der alten Eidgenossenschaft, in Süddeutschland und im Elsass Nachrichter genannt und mit “Meister” angesprochen.
    Er ist derjenige, der «nach dem Richter» kommt. Das Wort stammt vom althochdeutschen «Nāchtrihhari» und bedeutet sinngemäss: „der das Urteil nachsetzt oder vollstreckt”.
    Seine Aufgabe war das Foltern, um Geständnisse zu erpressen und die Ausführung der nachfolgenden Strafen an «Haut und Haar» (Körperstrafen) oder «Bis an das Blut» (Tod).

    Das Berufsethos des Nachrichters

    Das Aufziehen oder die Streckfolter, Zentralbibliothek Zürich
    Das Aufziehen oder die Streckfolter, Zentralbibliothek Zürich

    Wie jeder gute Handwerker war auch der Scharfrichter bemüht, saubere Arbeit zu leisten. Gefoltert werden durfte nur so weit, wie es zweckdienlich war – nicht tödlich. Der Nachrichter musste peinlich darauf achten, dass die Gefolterten nicht starben, damit sie der gerechten Strafe zugeführt werden konnten.

    Ludwig Pfyffer von Althishofen, der "Schweizerkönig"

    Künstler unbekannt, Original: Schloss Heidegg, vermutlich posthum gemalt.

    Das alte Luzern erreichte seinen politischen und wirtschaftlichen Zenith etwa im späten 16. Jahrhundert, zur Zeit Ludwig Pfyffers von Altishofen. In dieser Epoche war Luzern das führende Zentrum der katholischen Innerschweiz. und spielte eine bedeutende Rolle in der Konfessionalisierung der Eidgenossenschaft nach der Reformation.

    Von den Pfahlbauern bis zur Stadtgründung Luzerns

     Die Anfänge – Leben am Wasser

    Schon vor über 5000 Jahren lebten Menschen in der Zentralschweiz. Im Wauwilermoos, unweit von Luzern, wurden Pfahlbauten entdeckt, die auf etwa 4300 v. Chr. datiert werden. Auch Luzern selbst dürfte sehr alt sein: Bei Bauarbeiten für das ewl See-Energiezentrum im Jahr 2020 wurden Spuren einer Siedlung gefunden, die rund 3000 Jahre alt ist – etwa aus dem Jahr 1000 v. Chr.

    Die Richtstätte Sentimatt in Luzern

    Als Hörige des Hofklosters wurden wir zunächst am Marienbrunnen bei der Hofkirche gerichtet.

    Ab Mitte des 13. Jahrhunderts erlaubten uns die Habsburger, selbst Gericht zu halten – dies geschah dann am unteren Fischmarkt, bei der Gerichtslinde.

    Später wurde das erste Rathaus Luzerns (Vorgänger des heutigen Hotel Des Balances) Gerichtsort – die Vollstreckungen fanden an der Richtstätte Sentimatt statt.