Nachgewiesene Todesopfer der Luzerner Hexenverfolgung

Wie viele Menschen wurden im Gebiet des heutigen Kantons Luzern wegen Hexerei hingerichtet?

Hexensabbat aus der Wickiana, ZB Zürich
Hexensabbat aus der Wickiana - Zentralbibliothek Zürich.

Die Forschung nennt unterschiedliche Zahlen

Eine allgemein anerkannte Gesamtzahl gibt es bis heute nicht.

  • Joseph Schacher sprach bereits 1947 von mindestens 200 Opfern.
  • Das historische Lexikon der Schweiz nennt für den Kanton Luzern 288 Opfer (Stand 2018)🔗.
  • Der Luzerner Historiker Stefan Jäggi spricht in einem Interview mit SRF von rund 300 hingerichteten Frauen und kommt damit der tatsächlichen Zahl wohl am nächsten 🔗.

Die unterschiedlichen Angaben zeigen vor allem eines: Eine vollständige namentliche Gesamtauswertung der Luzerner Hexenprozesse ist bisher nicht veröffentlicht worden.

Für diese Website wurden die bisher bekannten Luzerner Hexenprozesse in einer Datenbank zusammengetragen und ausgewertet.

Ausgang der Verfahren Anzahl Anteil
Hinrichtungen 253 39,0 %
Todesfälle im Gefängnis 7 1,1 %
Suizide im Gefängnis 2 0,3 %
Nachgewiesene Todesfälle insgesamt 262 40,4 %
Freilassungen 50 7,7 %
Verbannungen 36 5,6 %
Spital 5 0,8 %
Ausgang unbekannt 295 45,5 %
Total 648 100 %

Von den 648 bisher erfassten Verfahren kamen nachweislich 262 Personen infolge der Hexenverfolgung ums Leben. Davon wurden 253 Personen hingerichtet, 7 starben im Gefängnis und 2 nahmen sich während der Haft das Leben.

Die 262 nachgewiesenen Todesfälle entsprechen 40,4 Prozent aller bisher erfassten Verfahren. Dabei handelt es sich nicht um eine Hochrechnung, sondern ausschliesslich um Todesfälle, die sich anhand der erfassten Quellen nachweisen lassen.

Die tatsächliche Zahl der Todesopfer dürfte höher gewesen sein. Bei 295 der 648 Verfahren – also bei 45,5 Prozent – ist der Ausgang unbekannt. Unter diesen Fällen können sich weitere Hinrichtungen oder andere Todesfälle befinden, die aufgrund der gegenwärtigen Quellenlage nicht sicher nachgewiesen werden können.

Die 262 nachgewiesenen Todesfälle sind daher als historisch gesicherte Mindestzahl zu verstehen.


Anklagen und Todesfälle der Luzerner Hexenverfolgung

Erfasste Verfahren und nachgewiesene Todesfälle nach Jahrzehnten

Hinweis: Als Todesfälle gezählt werden nachgewiesene Hinrichtungen sowie Todesfälle und Suizide während der Haft. Grundlage: aktuelle Hexen-Datenbank Luzern.

Prozesse vs. Hinrichtungen

In den 1550er-Jahren setzte ein markanter Anstieg der Hexenprozesse ein. Dieser fällt zeitlich mit der katholischen Reform in Luzern zusammen: 1570 besuchte Karl Borromäus die Stadt, 1574 liessen sich die Jesuiten in Luzern nieder.

Historiker sehen in der katholischen Reform einen wichtigen, wenn auch nicht alleinigen Faktor für die Intensivierung der Verfolgungen. Weitere mögliche Ursachen waren die Klimakrise der Kleinen Eiszeit, soziale Spannungen und eine verschärfte obrigkeitliche Strafverfolgung.

In den 1650er-Jahren erreichte die Hexenverfolgung im Kanton Luzern einen weiteren Höhepunkt.

 Diese Verfolgungswelle fällt zeitlich mit dem Schweizer Bauernkrieg von 1653 zusammen.
Der mögliche Zusammenhang zwischen den sozialen Konflikten des Aufstands und der verstärkten Hexenverfolgung muss jedoch noch genauer untersucht werden (Stokes 2008).



Die vollständige Hexenprozesse-Datenbank

In der Hexenprozesse-Datenbank Luzern (1398–1737) können die erfassten Fälle nach Namen, Orten, Jahren, Herkunft und Urteil durchsucht werden.

Zur Hexenprozesse-Datenbank 




Letztmals aktualisiert: 06. September 2026


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