Wie viele Menschen wurden im Gebiet des heutigen Kantons Luzern wegen Hexerei hingerichtet?
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| Hexensabbat aus der Wickiana - Zentralbibliothek Zürich. |
Die Forschung nennt unterschiedliche Zahlen
Eine allgemein anerkannte Gesamtzahl gibt es bis heute nicht.
- Joseph Schacher sprach bereits 1947 von mindestens 200 Opfern.
- Das historische Lexikon der Schweiz nennt für den Kanton Luzern 288 Opfer (Stand 2018)🔗.
- Der Luzerner Historiker Stefan Jäggi spricht in einem Interview mit SRF von rund 300 hingerichteten Frauen und kommt damit der tatsächlichen Zahl wohl am nächsten 🔗.
Die unterschiedlichen Angaben zeigen vor allem eines: Eine vollständige namentliche Gesamtauswertung der Luzerner Hexenprozesse ist bisher nicht veröffentlicht worden.
Für diese Website wurden die bisher bekannten Luzerner Hexenprozesse in einer Datenbank zusammengetragen und ausgewertet.
| Ausgang der Verfahren | Anzahl | Anteil |
|---|---|---|
| Hinrichtungen | 261 | 40,7 % |
| Todesfälle im Gefängnis | 7 | 1,1 % |
| Suizide im Gefängnis | 2 | 0,3 % |
| Nachgewiesene Todesfälle insgesamt | 270 | 42,1 % |
| Freilassungen | 50 | 7,8 % |
| Verbannungen | 36 | 5,6 % |
| Einschliessungen | 3 | 0,5 % |
| Spital | 5 | 0,8 % |
| Ausgang unbekannt | 278 | 43,3 % |
| Total | 642 | 100 % |
Von den 642 bisher erfassten Verfahren endeten gemäss den in der Datenbank erfassten Quellen 270 mit dem Tod der betroffenen Person. Davon wurden 261 Personen hingerichtet, 7 starben im Gefängnis und 2 nahmen sich während der Haft das Leben.
Die 270 dokumentierten Todesfälle entsprechen 42,1 Prozent aller bisher erfassten Verfahren. Dabei handelt es sich nicht um eine Hochrechnung, sondern um eine Auswertung der in der Datenbank erfassten Angaben.
Als weitere Verfahrensausgänge sind 50 Freilassungen, 36 Verbannungen, 3 Einschliessungen und 5 Einweisungen ins Spital verzeichnet.
Die tatsächliche Zahl der Todesopfer dürfte höher gewesen sein. Bei 278 der 642 Verfahren – also bei 43,3 Prozent – ist der Ausgang unbekannt. Unter diesen Fällen können sich weitere Hinrichtungen oder andere Todesfälle befinden, die aufgrund der bisherigen Auswertung der Quellen nicht sicher nachgewiesen werden können.
Die 270 dokumentierten Todesfälle sind daher als Mindestzahl nach dem derzeitigen Stand der Datenbank zu verstehen.
Anklagen und Todesfälle der Luzerner Hexenverfolgung
Erfasste Verfahren und nachgewiesene Todesfälle nach Jahrzehnten
Hinweis: Als Todesfälle gezählt werden nachgewiesene Hinrichtungen sowie Todesfälle und Suizide während der Haft. Grundlage: aktuelle Hexen-Datenbank Luzern.
In den 1550er-Jahren setzte ein markanter Anstieg der Hexenprozesse ein. Dieser fällt zeitlich mit der katholischen Reform in Luzern zusammen: 1570 besuchte Karl Borromäus die Stadt, 1574 liessen sich die Jesuiten in Luzern nieder.
Historiker sehen in der katholischen Reform einen wichtigen, wenn auch nicht alleinigen Faktor für die Intensivierung der Verfolgungen. Weitere mögliche Ursachen waren die Klimakrise der Kleinen Eiszeit, soziale Spannungen und eine verschärfte obrigkeitliche Strafverfolgung.
In den 1650er-Jahren erreichte die Hexenverfolgung im Kanton Luzern einen weiteren Höhepunkt.
Diese Verfolgungswelle fällt zeitlich mit dem Schweizer Bauernkrieg von 1653 zusammen.
Der mögliche Zusammenhang zwischen den sozialen Konflikten des Aufstands und der verstärkten Hexenverfolgung muss jedoch noch genauer untersucht werden (Stokes 2008).
Die vollständige Hexenprozesse-Datenbank
In der Hexenprozesse-Datenbank Luzern (1398–1737) können die erfassten Fälle nach Namen, Orten, Jahren, Herkunft und Urteil durchsucht werden.
Letztmals aktualisiert: 03. Oktober 2026
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