235 bestätigte Hexenmorde im Kanton Luzern

Wie viele Menschen wurden im Gebiet des heutigen Kantons Luzern wegen Hexerei hingerichtet?

Für einzelne Schweizer Kantone liegen heute gut dokumentierte Zahlen vor.
Für Zürich weist der Historiker Otto Sigg in seinem Buch Hexenprozesse mit Todesurteil – Justizmorde der Zunftstadt Zürich (2012) 79 Hinrichtungen nach (Quelle).
Für den Kanton Zug kommt Maria Greco auf 188 Opfer der Hexenverfolgung (Quelle).

Doch wie viele waren es in Luzern?

Hexensabbat aus der Wickiana, ZB Zürich
Hexensabbat aus der Wickiana - Zentralbibliothek Zürich.

Die Forschung nennt unterschiedliche Zahlen

Eine allgemein anerkannte Gesamtzahl gibt es bis heute nicht.

Joseph Schacher sprach bereits 1947 von mindestens 200 Opfern.
Beatrice Schumacher nennt in Kleine Geschichte der Stadt Luzern (2015, S. 97) 288 Opfer.
Der Luzerner Historiker Stefan Jäggi spricht in einem Interview mit SRF von rund 300 hingerichteten Frauen (Quelle) und kommt damit der tatsächlichen Zahl wohl am nächsten.

Die unterschiedlichen Angaben zeigen vor allem eines: Eine vollständige namentliche Gesamtauswertung der Luzerner Hexenprozesse ist bisher nicht veröffentlicht worden.

589 bekannte Verfahren – 235 Hinrichtungen nachgewiesen

Für diese Website wurden die bisher bekannten Luzerner Hexenprozesse in einer Datenbank zusammengetragen und ausgewertet.

Ausgang der Verfahren Anzahl Anteil
Hinrichtungen 235 39,9 %
Todesfälle im Gefängnis 6 1,0 %
Suizide im Gefängnis 2 0,3 %
Freilassungen 45 7,6 %
Verbannungen 37 6,3 %
Spital 3 0,5 %
Ausgang unbekannt 261 44,3 %
Total 589 100 %

Bei 235 Personen ist eine Hinrichtung eindeutig nachweisbar. Als Hinrichtung gezählt wurden nur Fälle, bei denen das Urteil beziehungsweise dessen Vollstreckung aus den erfassten Quellen hervorgeht.

Die Zahl von 235 Hinrichtungen ist deshalb keine Schätzung, sondern das Ergebnis der systematischen Auswertung der 589 erfassten Verfahren.

Sie ist allerdings mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht die tatsächliche Gesamtzahl der Hinrichtungen.

Der entscheidende Grund: Bei 261 der 589 Verfahren – also bei 44,3 Prozent – ist der Ausgang nicht bekannt. Unter diesen Fällen dürften sich weitere Hinrichtungen befinden, die aufgrund der gegenwärtigen Quellenlage nicht zweifelsfrei nachgewiesen werden können.

Die 235 Fälle sind daher als gesicherte Mindestzahl zu verstehen.

Hexenprozesse versus Hinrichtungen Luzern als Grafik









Ab den 1550er-Jahren setzte ein markanter Anstieg der Hexenprozesse ein. Dieser fällt zeitlich mit der katholischen Reform in Luzern zusammen: 1570 besuchte Karl Borromäus die Stadt, 1574 liessen sich die Jesuiten in Luzern nieder.
Historiker sehen in der katholischen Reform einen wichtigen, wenn auch nicht alleinigen Faktor für die Intensivierung der Verfolgungen. Weitere mögliche Ursachen waren die Klimakrise der Kleinen Eiszeit, soziale Spannungen und eine verschärfte obrigkeitliche Strafverfolgung.

In den 1650er-Jahren erreichte die Hexenverfolgung im Kanton Luzern einen weiteren Höhepunkt. Diese Verfolgungswelle fällt zeitlich mit dem Schweizer Bauernkrieg von 1653 zusammen.
Der mögliche Zusammenhang zwischen den sozialen Konflikten des Aufstands und der verstärkten Hexenverfolgung muss jedoch noch genauer untersucht werden (Stokes 2008).



Die vollständige Hexenprozesse-Datenbank

In der Hexenprozesse-Datenbank Luzern (1398–1737) können die erfassten Fälle nach Namen, Orten, Jahren, Herkunft und Urteil durchsucht werden.

Zur Hexenprozesse-Datenbank 




Veröffentlicht: 23. Juli 2026
Aktualisiert: 03. August 2026


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